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  Leben in den Karawanken 2020 – Perspektiven für die Berglandwirtschaft


Am 3.11.2010 lud die Bäuerliche Bildungsgemeinschaft – KIS zum Fachsymposium »Leben in den Karawanken 2020« in das Bildungshaus Sodalitas nach Tainach. Potenziale des Kultur- und Naturraumes sollten aufgezeigt und neue Zugänge zur Berglandwirtschaft und Regionalentwicklung vorgestellt werden.

Das Leben und Wirtschaften in den Karawanken ist seit jeher von grenzüberschreitender Zusammenarbeit geprägt, deshalb wollten die Veranstalter auch die Entwicklungen des südlichen Karawankengebietes aufzeigen und gemeinsame Potenziale und Visionen erarbeiten.

Als Zeichen der guten grenzüberschreitenden Zusammenarbeit übernahmen der Kammeramtspräsident der Kärntner Landwirtschaftskammer, ÖR Walfried Wutscher und der Präsident der Landwirtschaftskammer in Slowenien, Ciril Smrkolj die Patronanz der Veranstaltung. Im Rahmen der Eröffnung des Symposiums unterstrich Miha Zablatnik, Obmann der KIS die Bedeutung der Identität einer Region und somit des Selbstwertgefühles der Bauernschaft gerade in den Berggebieten.


Die Kammerpräsidenten von Kärnten und Slowenien, ÖR Walfried Wutscher und Ciril Smrkolj sowie KR Stefan Domej mit dem Organisator Miha Zablatnik, KIS

Von der ZUVIELisation zu mehr Lebensqualität
Die Fachvorträge richteten sich einerseits an eine lebensqualitätssteigernde Regionalentwicklung und andererseits an die dazugehörige Stärkung der Landwirtschaft in den Berg- und Grenzgebieten. Herr Ing. Josef Ober, steirischer Landesrat und Obmann des südsteirischen »Vulkanlandes« verdeutlichte den TeilnehmerInnen ein neues Verständnis erfolgreicher Regionen. Diese messen sich an der Lebensqualität in der Region und weniger am Bruttoinlandsprodukt. In seinem Vortrag zur Inwertsetzung von Regionen sowie den dazugehörigen Entwicklungsfaktoren, stellte Ing. Ober viele Grundvoraussetzung zur erfolgreichen Regionalentwicklung vor. Dazu gehöre zunächst eine langfristige Vision zur eigenen Region und Institutionen, die diese zu verwirklichen suchen. »Man kann keine Region erfolgreich entwickeln, wenn man lediglich einen Zeithorizont von 5 bis 10 Jahren betrachtet. Dazu braucht es eine Bündelung der regionalen Kräfte. Wir müssen lernen mit dem Organismus Region umzugehen. Neben Daten, Fakten und Zahlen müssen wir vor allem in die Seele der Region eintauchen“, so Ing. Ober in seinem Fachvortrag. Zur Inwertsetzung einer Region kommt es, wenn die Menschen ihre Region zu entwickeln bereit sind und somit auch von sich ein Stück persönliches – unbezahltes – Engagement einbringen. In diesem Fall spricht Ober von einer Re-verortung des Lebens – zurück in den Regionen. Gleiches kann für die Landwirtschaft gelten.


Dr. Georg Mayr, Obmann des Vereines „Freiwillige Arbeitseinsätze in Südtirol“


Freiwillig sozial engagiert

Dr. Georg Mayr aus Südtirol und Obmann der freiwilligen Arbeitseinsätze sowie langjähriger ehemaliger Obmann des Südtiroler Bauernbundes stellte die freiwillige Bergbauernhilfe Südtirols vor. Im Rahmen dieses Angebotes kommen Nicht-LandwirtInnen aus sozialem Engagement auf die Bergbauernhöfe um dort tatkräftig mitzuhelfen. Da wird im Sommer zusammen mit der Bauernfamilie das Heu eingebracht und auch sonst finden sich immer wieder Tätigkeiten am Hof, die auch von »Laien« erledigt werden können. Die freiwilligen Einsätze sind gratis, die Helfer verrichten ihre Arbeit für Kost und Logis, manche nur einen Tag, andere länger. Im Vordergrund steht das gesellschaftliche Engagement, den Bergbauern zu helfen und somit einen persönlichen Teil zum Erhalt der Südtiroler Kulturlandschaft beizutragen. »In Südtirol gibt es Bauernhöfe, die selbst auf 2.000m Seehöhe noch Viehwirtschaft betreiben – bei uns finden sie selten verbuschte Flächen – all das liegt auch an einer genau durchdachten Regionalpolitik,« erklärt Dr. Mayer und ergänzt, dass es für erfolgreiche Regionen auch entsprechende politische und rechtliche Rahmenbedingungen braucht, vor allem im Bereich der Regionalplanung. Um einen genauen Einblick in die natürlichen und sozialen Gegebenheiten des südlichen und nördlichen Karawankengebietes zu bekommen, stellten DI Dr. Daniel Bogner vom Umweltbüro Klagenfurt und Andreja Slameršek vom slowenischen Naturschutzamt vor allem die landwirtschaftlichen Entwicklungen dieses Gebietes vor. Zusätzlich gaben sie Einblick in neue Strategien, die zum Erhalt der Berglandwirtschaft führen könnten, allen voran die positive Einbeziehung des Naturschutzes in die landwirtschaftliche Bewirtschaftung. Die TeilnehmerInnen hatten am Nachmittag die Möglichkeit im Rahmen von zwei Workshops direkt mit den Referenten zu diskutieren und Anknüpfungspunkte für neue Kooperationen in den Karawanken zu finden. Dabei sollte die Vernetzung von Bestehendem und dessen Weiterentwicklung im Vordergrund stehen. Allen voran steht dabei die stärkere Einbeziehung der lokalen Bevölkerung in Regionalentwicklungsprojekte sowie grenzüberschreitende Aktivitäten. Nur so kann der Entwicklungstrend einer Region aufwärts zeigen.

Freiwillige Einsätze auch in Kärnten organisieren
Freiwillige Einsätze auf Bauernhöfen mit erschwerten Arbeitsbedingungen sind im Kommen. Das Südtiroler Modell könnte auch für Kärnten angedacht werden, um neue Partnerschaften zwischen bäuerlicher und nicht-bäuerlicher Bevölkerung entstehen zu lassen. In Südtirol ist die freiwillige Bergbauernhilfe als Verein organisiert, dessen Träger der Südtiroler Bauernbund, die Caritas, die Lebenshilfe und der Südtiroler Jugendring sind. Die Arbeitseinsätze sind nicht sozialversicherungspflichtig und die Helfer sind über den Verein unfallversichert. Für die Bergbauern entstehen keine Kosten. Die Einsätze gelten als freiwilliges soziales Engagement und werden mittlerweile von über 300 Bergbauernhöfen genutzt, nähere Infos auch unter: www.bergbauernhilfe.it. Ein ähnliches soll nun für Kärnten angedacht und anhand freiwilliger Einsätze in den Karawanken erprobt werden. Neben Daten, Fakten und Zahlen müssen wir vor allem in die Seele der Region eintauchen.
Kontakt: olga.voglauer@kisnet.at

 

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von Katharina Pegrin


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